Jüdischer Friedhof Greifswald
Gützkower Landstraße, Greifswald
In der Gützkower Landstraße, im landwirtschaftlich genutzten Süden der Stadt Greifswald, gab es einen jüdischen Friedhof. Nachdem die jüdische Gemeinde ihre Toten zuvor in Brandshagen und Stralsund beerdigt hatte, kauften Greifswalder Juden – unter ihnen Neumann Tucholsky, der Großvater von Kurt Tucholsky – 1860 einen Acker außerhalb der Stadt, um dort einen Friedhof anzulegen. 1870 konnte auch eine eigene Greifswalder Synagogengemeinde gegründet werden. Der nicht belegte Teil des Friedhofs musste 1938 verkauft werden und wurde in ein Kasernenareal der Wehrmacht einbezogen. 1949 waren noch Reste der Begrenzungsmauer und einige Grabsteine vorhanden. Seitdem wurde das Friedhofsgelände nicht mehr gepflegt und verwahrloste weiter. Heute befindet sich ein Teil des Geländes im Besitz des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern. Am Ort des Friedhofs ist heute nur noch eine Gewerbebrache vorhanden. Mit dem Friedhof verschwand so auch ein Archiv der Greifswalder Synagogengemeinde. Stellvertretend für die hier bestatteten Jüdinnen und Juden soll der Name des bekannten Gebrauchtwarenhändlers Jehuda Brandwein genannt werden. Er wurde hier im Dezember 1923 von seiner Witwe Frida (Frymet) Brandwein und seinen sechs Kindern zu Grabe getragen. Im August 2024 sprach eine seiner Urenkelinnen bei ihrem ersten Besuch in Greifswald am Friedhofsgelände das Kaddisch für ihn.